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16.02.2026

Die Porzellanfabrik in Schleiz

Wie in den Saalwäldern, so hatten die Verheerungen der Nonne (Schneebruch) in den Jahren 1795/96 besonders auch auf dem Schleizer und Oschitzer Wald ungeheuren Schaden verursacht. Um die großen Mengen zum Abschlag gekommenen Holzes verwerten zu können, entstanden neue Industrieunternehmungen, so das Eisenwerk Rödelshammer an der Saale, die Glashütte bei Weckersdorf und die Porzellanfabrik in Schleiz. Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, dass schon vorher in Schleiz Porzellan hergestellt wurde, denn 1786 verkauft der Seifensiedermeister Christoph Adam Fortdran einen von seinem Vater geerbten Brennofen am Berge für 100 Gulden an Ernst Gottfried Fortdran, 1797 berichtet das Ratshandelsbuch noch von der Nutznießung dieses Brennofens durch die Gebrüder Fortdran. Wahrscheinlich dürfte es aber ein Kalkbrennofen gewesen sein. Wirklich nachzuweisen aber ist die Porzellanfabrikation in unserer Stadt erst seit 1798. Am 22. März dieses Jahres kaufen der Porzellanfabrikant Heinrich Vollrath und der Schornsteinfeger Friedrich Wilhelm Ibe (Uebe) von der hiesigen Schützenkompagnie, vertreten durch den Schützenmeister Kürschner Heinrich Gottlieb Huscher, das von dieser auf dem bisherigen Schießplatz am Tänner Wege (Hofer Straße) erbaute Haus, um darauf eine Pozellanfabrik zu errichten. Der Kaufpreis beträgt 425 alte Schock. Sie erbauten einen Brennofen, scheinen aber in ihrer Neugründung nicht das gefunden zu haben, was sie suchten, denn bereits am 18. Juni 1799 verkaufen sie ihren Besitz wieder an den Forstkommissar und Amtsverwalter Georg Friedrich Anton Hörcher in Leutenberg, der durch seine Mutter in verwandtschaftlicher Beziehung zu dem Besitzer der Helbigsmühle, Heinrich Gottlieb Oertel, stand. Der Kaufpreis war trotz des erbauten Brennofens derselbe. Horcher war nicht Alleinbesitzer, vielmehr bestand die Firma „Hörcher und Kompagnie“. Über den Betrieb selbst ist nichts zu erfahren, ebenso nicht über die Art des Porzellans, das hier hergestellt wurde. Wahrscheinlich wurde nur Gebrauchsporzellan hergestellt, denn als am 16. Januar 1802 die Fabrik erneut verkauft wurde, waren außer dem Kaufpreis von 2000 Laubtalern und 15 Laubtalern Gönnegeld noch 3 Porzellan-Services und je 1 Dutzend Suppen- und Essteller zu liefern. Der Kaufvertrag wurde in der Leutenberger Vitriolhütte abgeschlossen und lautet: „Zu wissen, dass endesgesetzten dato zwischen uns Unterschriebenen, dem Forstkommissar und Amtsverwalter Hörcher zu Leutenberg, Verkäufern, an einem und Herren Hutschenreiter et Comp. aus Wallendorf, Käufern, am andern Teile folgender Kaufkontrakt über die Porzellan-Fabrik zu Schleiz wohlbedächtig verabredet und abgeschlossen worden. Es verkauft nämlich: 1.) ermeldter Forstkommissar Hörcher eine bisher besessene Porzellain-Fabrique nebst dazu gehörigen Capsel-Wohnung, dem Brennhaus, Holz-Remise und Wassermühle, ingleichen die dazu gebrauchten Inventarien Stücken, alles wie er solches besessen, genutzet und gebrauchet, oder nutzen und gebrauchen sollen, können oder mögen, auch darauf haftenden Beschwerden, an gedachten Herrn Hutschenreiter et Comp. aus Wallendorf erb- und eigentümlich um und für 2000 Taler… So geschehen Leutenberger Vitriolhütte, den 18. Januar 1802. Georg Friedrich Anton Horcher als Verkäufer. Johann Heinrich Hutschenreuther et Comp. als Käufer." Die neuen Besitzer vergrößern die Fabrik, indem sie noch 2¼ Viertel Feld für 400 Aßo von der Witwe Rotermund dazukaufen, bleiben aber auch nur etwa 3½ Jahre im Besitz derselben. Bereits am 22. September 1805 geht sie für 4000 Taler an den Handelsherrn Johann Jakob Radefeld aus Probstzella über. Außer den im vorigen Kaufvertrag genannten Teilen gehören jetzt noch dazu eine Schmelzhütte, ein Glühofen, 2 Holzremisen, ein neues, unausgebautes Brennhaus, und zur Wassermühle gehört noch ein Sandkessel und ein Trockenhaus. Doch Radeseld hat kein Glück mit der Fabrik; sie wird 1806 von den Franzosen zerstört; der Besitzer kann, da in der Folgezeit wohl auch der Absatz stockte, nicht über den Schaden hinwegkommen, und sein Besitztum wird schuldenhalber zwangsweise verkauft. Die Fabrikgebäude nebst dem dahinterliegenden Platz erstand für 302 Aßo 1813. Ludwig Maximilian Ferdinand von Arnsberg, das von Hutschenreuther getauftet 2½ Viertel große Feld hinter dem neuen Wirtshaus (Heinrichstädter Hof) 1809 für 290 Aßo der Tuchmacher Christian Friedrich Oertel. Schon diese Preise gegenüber dem Ankaufspreis von 4000 Aßo bezeugen den Zustand der Fabrik. Die von Arnsberg hineingelegte Stahlfabrik bestand auch nur kurze Zeit; schon am 23. August 1814 erwirbt der Kauf- und Handelsherr August Gottfried Weißker das „ehemalige” Fabrikgebäude nebst Garten und Platz hinter dem Hause für 600 Taler. Von der Familie Weißker ging das Haus, das noch heute in Erinnerung an den letzten Besitzer „die Arnsburg“ heißt, in den Besitz der Familie Baumann über. So fand die mit großen Hoffnungen begonnene Porzellanfabrikation noch kaum zehnjährigem Bestehen ihr Ende, veranlasst in erster Linie durch die Wirren der napoleonischen Kriege. Zwar wird 1834 hier ein Porzellanmaler Friedrich Gottlieb Mörle genannt, aber eine Porzellanfabrik dürfte kaum noch bestanden haben; wahrscheinlich war er hier nur zugewandert. Es ist zu bedauern, dass die Marke des Schleizer Porzellans bisher unbekannt geblieben und daher auch kein solches mit Sicherheit hier festgestellt werden konnte. Immerhin bleibt es fraglich, ob die Schleizer Porzellanfabrik überhaupt eine eigene Marke besessen hat. Wahrscheinlich stellte sie, wie schon erwähnt, überhaupt nur Gebrauchsporzellan her, und dies trug keine Marke. Unbekannt ist auch, wo die Rohstoffe zur Herstellung des Porzellans geholt wurden. Da die Besitzer aus Wallendorf, Leutenberg, Probstzella waren, dürfte es nicht ausgeschlossen sein, dass auch von dort Porzellanerde bezogen wurde. Hfl.

Gefunden im Stadtarchiv Schleiz im Reussischen Erzähler 11.11.1928 von Ingo Möckel