Der alte Gasthof zu den drei Schwanen
Nach Auffassungen in unserer Heimatgeschichtsschreibung (wie von Berthold Schmidt u. a.) ist das urkundlich erstmals 1397 genannte Schleizer Rathaus das der damaligen „Altstadt“ und hätte an der Stelle der heutigen Gaststätte zu den drei Schwanen gestanden. Demnach wäre auch die 1432 genannte „Herberge zu den Kaufmannen“, die vom selben Autor als Vorgänger des ersten Schleizer Ratskeller angesehen wird, an der gleichen Stelle zu vermuten. Das wiederum würde schließlich bedeuten, dass es sich bei dem heute noch existierenden und großer Beliebtheit erfreuenden „Schwanen” um den ältesten Schleizer Gasthof überhaupt handelte. Weshalb dann drei Schwäne in das Gastzeichen der Einkehrstätte gelangten, ist nicht mehr erkennbar. Urkundlich tritt dieser Name das erste Mal im Jahre 1559 auf, als „der Schwan” sich im Besitz eines Georg Giegling befand, der ihn aber bereits von seinem Vater ererbt hatte, ihn nun aber an einen Adam Reißig verkaufte, Reißig erscheint auch noch 1565 als Besitzer, während als spätere Eigentümer für 1618 ein Georg Triller, für 1635 ein Wolf Christoph Schön und für 1716 ein Hans Heinrich Lang als Eigentümer genannt sind. Im Jahre 1632 brach am 15. November früh um 7 Uhr beim Metzger Georg Koch In der Schleizer „Altstadt“ Feuer aus, wodurch die Gasthöfe zu den drei Schwanen und zum Bären sowie die zwischen beiden liegenden vier Häuser in Asche sanken. Das Feuer soll von einem fremden Offizier „versühnet“, also „besprochen” und damit „verursacht” worden sein. Auf der Rückseite des Gasthofes findet der sich noch heute über dem Tor in der Schmiedestraße ein in Stein gehauenes und farbig gestaltetes Gastzeichen mit drei Schwänen und der Inschrift „Gasthaus zum drei Schwanen 1768". Daraus lässt sich auf einen größeren baulichen Um- oder Ausbau des Gasthauses zu dieser Zeit schließen. Im Jahre 1806 wurde die „Altstadt” (im engeren Sinne der Straßenteil der heutigen Friedrich-Engels-Straße) sogar als „Schwanengasse" bezeichnet, wie außerdem die spätere Poststraße mit dem Gasthof zum schwarzen Baren benannt ist. Damit haben in diesen Fällen die Namen von Gasthäusern den anliegenden Straßen ihren Namen übertragen. Eine allgemein für die Schleizer Geschichte interessante Nachricht aus dem nachfolgenden Jahr erfasst auch den Gasthof zu den drei Schwanen: Vom 1. Januar bis 24. Dezember 1807 waren in der Stadt von den französischen Besatzungstruppen bei einem einfachen Tagelöhner 18 Mann, bei einem Backer 165 Mann, beim Hofkommissar Timmich 35 Offiziere und 139 Soldaten und im „Gasthof zum Schwan" 50 Offiziere und 83 Soldaten einquartiert. Schließlich ist mit der Geschichte des Gasthauses ein Ereignis verbunden, dass zu seiner Zeit die Gemüter der ganzen Stadt erregte und zur letzten öffentlichen Hinrichtung in Schleiz führte. Im Jahre 1841 nämlich hatte der damalige Wirt, ein aus Birkigt bei Saalfeld gebürtiger Joh. Wilhelm Oswald, den „stumpfsinnigen“ Gustav Schulz, Sohn seines verstorbenen Schwiegervaters G. Schulz, von dem Oswald den hoch verschuldeten Gasthof ererbt und zugleich die Verbindlichkeit übernommen hatte, jenem Sohn lebenslänglich Pflege und Unterhalt zu gewähren, mit „Rattenpulver" vergiftet, um durch dessen Tod von diesen Verpflichtungen befreit zu werden. Der Tote war schon beerdigt worden, als in der Stadt Gerüchte aufkamen, dass er keines natürlichen Todes gestorben wäre. Die Leiche wurde wieder ausgegraben und obduziert, und es wurde festgestellt, dass Schulz durch Arsen vergiftet worden war. Der Oßwald wurde verhaftet und gestand seine Schuld ein. Er wurde zum Tode durch das Schwert verurteilt. Nachdem ein Gnadengesuch abgewiesen worden war, wurde er am 2. August 1843 früh 4 Uhr auf dem Schleizer Marktplatz vor einer großen Menschenmenge hingerichtet. Der Kopf fiel auf den ersten Hieb und soll nach Augenzeugen „auf der Klinge des Schwertes hingelaufen sein". Die Stelle dieser letzten Hinrichtung ist mach der Rekonstruktion des Altmarktes neu markiert worden und damit heute noch erkennbar.
Günther Wachter
Gefunden im Stadtarchiv Schleiz in Manuskripte Günther Wachter von Ingo Möckel

